Shure SM7B vs. Neumann TLM 103: Wer gewinnt den Soundvergleich?

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Studiomikrofon Shure SM7B vor hellem Hintergrund

Wir wollten wissen: Kann das Shure SM7B als vermeintliches Allroundtalent sogar mit Großmembranmikrofonen klanglich mithalten? Promedia Solutions hat das Mikrofon im eigenen Tonstudio mit dem Neumann TLM 103 verglichen.

Der US-amerikanische Mikrofonhersteller Shure hält gerne den Mythos am Leben, den sein Mikrofon-Flaggschiff Shure SM7B dank Michael Jackson in den 1980er Jahren erworben hat. Bekanntlich hat der King of Pop mit dem Vorgängermodell SM7 im Jahr 1982 sein Erfolgsalbum „Thriller“ aufgenommen. Auch preislich liegt das Shure SM7B mit 389 Euro bei Amazon und Musikhaus Thomann in einem deutlich bezahlbareren Rahmen, wenn man es mit Großmembranmikrofonen wie beispielsweise von Neumann vergleicht, die je nach Modell deutlich im vierstelligen Eurobereich rangieren.

Shure SM7B eliminiert Umgebungsgeräusche

Aufgrund der elektromagnetischen Abschirmung und der Nierencharakteristik werden Umgebungsgeräusche durch das dynamische Mikrofon Shure SM7B konsequent unterdrückt. Selbst die Raumakustik wird weitgehend eliminiert. Das macht es vor allem für Podcast-Sprecher und alle interessant, die keine optimalen Aufnahmebedingungen vorfinden. Zumindest in der Theorie. 

Vergleichstest mit Neumann TLM 103

Dazu haben wir das Shure SM7B mit dem Neumann TLM 103 verglichen. Da das Neumann TLM 103 als Großmembrankondensatormikrofon bekanntermaßen ebenso extrem rauscharm wie empfindlich ist, muss es zwingend in Räumen mit schalloptimierter Akustik bzw. mit einer Kopfkabine wie der von Isovox oder T-Akustik verwendet werden. Denn das Neumann TLM 103 zeichnet auch feinste Störgeräusche wie Computerlüfter oder Außengeräusche wie Vogelgezwitscher auf, die die Aufnahmequalität beeinträchtigen.

Shure SM7B kann nicht überzeugen, aber …

Beide Mikrofone sind mit dem Audiointerface Apollo Twin von Universal Audio verbunden, das wiederum einen V76 Preamp und einen UA 1176AE Limiting Amplifier in die Signalkette einbezieht. Im direkten Vergleich mit dem Neumann TLM 103 klingt das Shure SM7B hohl. Und das, obwohl das Shure SM7B mit der Einstellung „Presence Boost“ getestet wurde:

Shure SM7B:

Neumann TLM 103:

… überlegen ist es als Podcast-Mikrofon ohne schalloptimierten Aufnahmeraum

Anders jedoch sieht es aus, wenn – wie bereits erwähnt – das Neumann TLM 103 ohne einen schalloptimierten Aufnahmeraum auskommen muss. Gerade wenn die Raumakustik durch einen extremen Hall kontaminiert ist, dreht sich das Blatt zugunsten des Shure SM7B. In unserem Fall erfolgte die nachfolgende Testaufnahme des Neumann TLM 103 ohne jegliche Schalldämmungsmaßnahmen in einem mit Möbeln (Schrank, Schreibtisch) bestückten rund 13 Quadratmeter großen Wohnraum mit Dachschräge und Laminatboden.

Neumann TLM 103 ohne schalloptimierten Aufnahmeraum:

 

Fazit

Das Shure SM7B ist ein gutes Mittel der Wahl für alle, die Sprach- oder Gesangsaufnahmen in nicht schalloptimierten Aufnahmeräumen durchführen. Allerdings erfordert der niedrige Signalpegel des Shure SM7B einen guten Preamp. Hierfür hat Shure jedoch Abhilfe geschaffen und als Weiterentwicklung das Shure SM7dB mit integriertem Vorverstärker auf den Markt gebracht, das allerdings mit 589 Euro auch deutlich teurer als das Standard-Modell ist.

Wer jedoch Zugriff auf ein Großmembranmikrofon wie das Neumann TLM 103 sowie einen schalloptimierten Raum hat, sollte nach Möglichkeit darauf zurückgreifen. Die Unterschiede in der Soundqualität sprechen in unserer Testkonstellation klar für das Neumann TLM 103. Allerdings ist das Neumann TLM 103 mit einem Preis von 1.039 Euro zum Testzeitpunkt bei Musikhaus Thomann deutlich teurer als das Shure SM7B und das Shure SM7db. Außerdem wird zwingend ein schalloptimierter Aufnahmeraum benötigt, mindestens in Form einer Kopfkabine wie dem Vocal Head Booth von T-Akustik, der mit rund 400 Euro zusätzlich zu Buche schlägt.

Christian Blank
Christian Blank Filmemacher, freier Journalist und Sprecher aus Hallerndorf. Seit 2001 in der Medienproduktion.